Özdemir in Müllheim
Brigade nimmt Ostflanke in den Blick
Der Krieg in der Ukraine verändert auch die Aufgaben der Deutsch-Französischen Brigade. Bei seinem Besuch in Müllheim machte Ministerpräsident Cem Özdemir deutlich, welche Bedeutung der Einheit zukommt.
Für Ministerpräsident Cem Özdemir sei es ein Höhepunkt auf seiner vierwöchigen Sommertour, die ihn am Freitag unter anderem nach Müllheim führte. Dort besuchte er die Deutsch-Französische Brigade, die in Anbetracht der zunehmenden geopolitischen Spannungen vor neuen Herausforderungen steht.
„Ich habe mich sehr auf diesen Termin gefreut“, verwies er auf Robert Schuman, den Namensgeber der Kaserne und Mitbegründer der europäischen Einigung. Diese sei keine Selbstverständlichkeit, da beide Nationen innerhalb von knapp 70 Jahren insgesamt drei große Kriege gegeneinander geführt hätten. Heute unterhielten beide Nationen gemeinsame militärische Verbände.
„Dass junge Franzosen und Deutsche gemeinsamen Dienst für unser aller Freiheit verrichten, verdient unsere Dankbarkeit“, so Özdemir, der Mitte Mai zum Ministerpräsidenten gewählt worden war.
Aktuelle Herausforderungen thematisiert
Er sei gekommen, um in seiner Funktion als Ministerpräsident danke zu sagen, zu hören, wo der Schuh drückt, und zu erfahren, wie das Land helfen könne, so Özdemir vor Medienvertretern. Diese mussten gut zwei Stunden auf ein kurzes Pressestatement warten, während der Gast aus Stuttgart mit dem stellvertretenden Kommandeur, Oberst Heiko Bohnsack, und Lieutenant-Colonel Michel Magne über die aktuellen Herausforderungen sprach.
Für Özdemir ist klar: „Wenn sich in Europa etwas bewegen soll, dann geht es nur, wenn Paris und Berlin eng zusammenarbeiten und die Perspektive des jeweils anderen verstehen.“ Kurzum: Gehe es Frankreich gut, dann gehe es auch Deutschland gut – und umgekehrt. Das gelte auch auf der Ebene der Bundesländer, unterstrich der Ministerpräsident die enge Zusammenarbeit – unter anderem bei den jüngsten Waldbränden.
Zeitenwende ist angekommen
Die von Olaf Scholz ausgerufene Zeitenwende als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ist auch bei der Deutsch-Französischen Brigade angekommen: Zwar bleiben Friedenseinsätze und Nato-Missionen weiterhin der Mittelpunkt des Auftrags der 1989 gegründeten binationalen Brigade, allerdings wird der Schwerpunkt der Arbeit künftig mehr in der Stärkung der Nato-Ostflanke liegen. Denn Frankreich und Deutschland haben die Brigade als Gefechtsverband für den rückwärtigen Raum, als sogenannte Rear Area Task Force, für Planungen und Übungen unter das Kommando des multinationalen Korps Nordost im polnischen Stettin gestellt. Und schließlich wird die Brigade der Nato auch für die Ausbildung von Soldaten verstärkt zur Verfügung stehen.
Beitrag zu einer entschlossenen Verteidigung
Bereits in den Jahren 2023 und 2024 wurden jeweils 10.000 ukrainische Soldaten an Technik und Material ausgebildet. „Unter dem Multinationalen Korps Nordost wird die Deutsch-Französische Brigade noch direkter als bisher zur glaubwürdigen Abschreckung der Nato und – falls erforderlich – zu einer entschlossenen Verteidigung beitragen“, wie der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, jüngst erklärte.
Auf die Brigade kommen neue Aufgaben zu
„Auf die Brigade kommen neue Aufgaben zu“, kommentierte Özdemir die stärkere Ausrichtung auf die Nato-Ostflanke. Er sprach von einem großartigen Ausbildungsstand. Auch herrsche unter den Soldaten gute Stimmung, berichtete der Ministerpräsident. Lob fand er auch für das Einsatzgerät. „Kompliment an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius – das Geld aus dem Sondervermögen ist hier angekommen.“ Man sehe es unter anderem an der Schutzausrüstung. Und: Die Erkenntnisse der französischen Armee sollen in das neue Waffenmaterial der Bundeswehr einfließen, erklärte Özdemir auf Nachfrage. Die Deutsch-Französische Brigade wurde im Jahr 1989 gegründet und gilt als ein Kernstück der militärischen Zusammenarbeit beider Staaten. Ihr gehören etwa 5500 Männer und Frauen beider Nationen an, die in sechs Kasernen auf beiden Seiten der Grenze stationiert sind. Sitz der Brigade ist in Müllheim. Die Führung wechselt im zweijährigen Rhythmus zwischen Frankreich und Deutschland. Brigade-Kommandeur ist derzeit Général de Brigade Fançois-Xavier Elias.
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